Die vorbereitete Umgebung: mit Montessori in der Küche

vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

Als ich anfing, mich mit Montessori auseinanderzusetzen, sah ich in den diversen Facebook Montessori Gruppen und auch auf Pinterest zahlreiche Ideen für Übungen des praktischen Lebens. Da wurden den Kindern schöne Schälchen, gefüllt mit Reis oder Linsen, zur Verfügung gestellt, dazu ein Löffel, alles hübsch drapiert auf einem Tablett. Oder es wurden Tabletts mit den unterschiedlichsten Kännchen und Karaffen dargeboten. Solche Löffel- und Schüttübungen sollen das Kind  in seinen Fertigkeiten und in seiner motorischen Entwicklung unterstützen. Ich bot diese Übungen auch meinen Kindern an, merkte aber ziemlich schnell, dass sie nach etwas ganz anderem verlangten. Sie wollten nicht einfach nur irgendwelche Linsen hin und her schütten, sie wollten selbst im Küchengeschehen dabei sein. Und da merkte ich, dass solche isolierten Übungen bei uns zu Haus gar nicht notwendig sind. Ich brauche meinen Kindern einfach nur ermöglichen, in der Küche mitzuwirken. 

„Dem Kind zu erlauben, an der täglichen Arbeit welche es rund um sich sieht, teil zu haben, zeugt von großem Respekt und Vertrauen in das Kind. Es hilft ihm sich wichtig zu fühlen, es wird gebraucht."

(Susan Mayclin Stephenson, Child of the World: Montessori, Global Education for Age 3-12+)

Also ließ ich sie teilhaben. Sie räumten leidenschaftlich gern den Geschirrspüler aus, aber noch viel mehr liebten sie es, selbst abzuwaschen. Also gab ich ihnen die Gelegenheit dazu. Es war wunderbar mit anzusehen, wie die Kinder einen Teller mehrmals in das Wasser eintauchten, ihn mit dem Lappen oder der Spülbürste säuberten und ihn schließlich mit klaren Wasser abspülten. Sie waren so fasziniert von dieser Tätigkeit, dass sie ein und denselben Teller nochmals und nochmals wuschen. Und auch hier sieht man wieder wunderbar, dass die Tätigkeit an sich, das Ziel ist, nicht das saubere Geschirr. Also musste ich mich und mein Verlangen, schnell die Küche zu säubern, zurückstellen und meinem Kind Raum geben. Für uns Erwachsene ist das Abwaschen oftmals eine lästige Tätigkeit und wir schätzen die Existenz unseres Geschirrspülers, aber für Kinder kann diese simple Handlung so reich an Erfahrungen sein. 

vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

Ebenso musste ich mich beim Kochen, aber vor allem beim Backen, meiner Leidenschaft, zurücknehmen. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass es mir sehr schwer fällt, mit meinen Kindern zu backen. Nicht, dass ich die Zeit mit ihnen nicht genieße, sondern weil ich dieses Drang in mir habe, dass das Endprodukt perfekt sein muss. (Über diesen Drang habe ich hier schon einmal geschrieben. Link Blogbeitrag). So muss ich mich während des gemeinsamen Backens sehr zurücknehmen, um die Kinder nicht ständig zu korrigieren. Sie sollen schließlich Freude am Backen haben. Leider ist es mir auch schon passiert, dass ich zu versessen auf das Ergebnis geblickt und den Kindern ständig reingeredet habe, so dass sie dann keine Lust mehr hatten und die Küche verließen. Das ist sehr traurig. Ich muss selbst noch viel an mir arbeiten und Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln. Ich muss mir selbst immer wieder bewusst machen, dass der Vorgang des Backens an sich und die gemeinsame Zeit in der Küche, dem Kind so viel bieten. Ich sollte mehr darauf schauen, wie geschickt meine Kinder schon selbstständig Zutaten abwiegen, zusammenfügen und verrühren können, anstatt auf einen perfektes Gebäck zu hoffen.


vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

Ich sollte somit lieber darauf achten, dass ich ihnen in der Küche eine Umgebung schaffe, die es ihnen erlaubt, selbst tätig zu werden. Unsere Küche ist leider nicht kindgerecht eingerichtet. Die Arbeitsfläche ist sogar höher als es bei standardisierten Küchen der Fall ist, weil es für uns Erwachsene bequemer ist. Aber wir haben nicht daran gedacht, wie wir den Kindern eine vorbereitete Umgebung bieten können, damit sie auch hier selbstständig tätig werden können. Da die Küche natürlich nicht geändert werden kann, habe ich also Wege gesucht, um ihnen die Möglichkeit nach eigenständigen Handeln zu geben. So räumte ich ihnen einige der untersten Schubladen leer und ordnete dort ihre Sachen ein: Besteck, Geschirr, Tassen und Becher aber auch alle
ihre Utensilien, die sie für die Arbeit in der Küche brauchen (Nudelholz, Schneidemesser, Schürzen etc.).
Vor kurzem erneuerte ich auch das Geschirr der zwei Großen - gänzlich weg von Plastik hin zu Porzellan und Glas. Die Küchenarbeiten werden meist am Esstisch verrichtet oder ich stelle ihnen den Kindertisch und Stühle bereit. An unseren Küchenmöbeln arbeite ich mit ihnen ungern, weil meist die Hocker im Wege stehen, wenn man etwas herausholen möchte. 

vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

vorbereitete Umgebung in der Küche Montessori

Wenn es um die Küchenarbeit geht, schwirrt in meinem Kopf komischer Weise immer der berühmte Reim „Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nichts“ herum, dabei habe ich ihn schon immer als irrsinnig empfunden. Das zeigt wie tief dieser Glaubenssatz noch sitzt. Er ist geleitet von einer falschen Vorstellung über die Kompetenzen eines Kindes. Paradoxer Weise bietet der Spielzeugmarkt Kindern zahlreiche Angebote für Kaufmannsladen und Puppenküche, mit denen Kindern das Nachahmen können, was ihnen die Erwachsenen vorleben, so auch das Schneiden, welches sie mit Holzobst und -Gemüse üben sollen. Ich möchte gar keine Diskussion darüber beginnen, ob Küchen und Kaufmannsläden für Kinder sinnvoll sind oder nicht (meine Kinder hatten dies auch zur Verfügung). Was ich mich aber aufgrund der Erfahrung mit meinen Kindern frage ist, warum lassen wir die Kinder nicht gleich an der realen Tätigkeit mitwirken? Warum haben wir erst eine Welt geschaffen, in der Kinder so tun als ob aber keine Möglichkeit haben, in einer echten Küche mitzuwirken?
Wenn wir die Kinder allerdings beim Kochen, und das schließt die Zubereitung mit ein, teilhaben lassen, ihnen vertrauen, dann werden wir beobachten können, wozu sie schon in der Lage sind. Meine Kinder konnten im Alter von 2 Jahren mit einem scharfen Schneidemesser umgehen. Davor waren auch die Wellenschneider attraktiv, die heute noch gern zum Einsatz kommen. Das Schälen von Karotten oder Gurken wird ebenfalls ehrgeizig geübt und mit der Zeit vervollkommneten sie ihre Fertigkeiten immer mehr.

Schaffen wir auch in der Küche eine geeignete Umgebung, bieten wir unseren Kindern die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln und damit unabhängiger zu werden. Sie sind dann in der Lage, sich selbst etwas zuzubereiten und sind eben nicht immer auf uns Eltern angewiesen (was nicht heißt, dass sie sich komplett selbst versorgen müssen). 

Es ist so wunderbar mit anzusehen, wie die Kinder allein etwas bewältigen und dabei das Funkeln in ihren Augen zu sehen, wenn sie etwas aus sich heraus geschaffen haben. Mit den vermehrten Möglichkeit in der Küche mitzuwirken und schon beim Einkaufen der Zutaten dabei zu sein, wurden bei uns Kaufmannsladen und Puppenküche gänzlich uninteressant. Ich weiß natürlich, dass es bei anderen Kindern nicht so sein muss und will diese Spielwaren ganz bestimmt nicht in ein schlechtes Licht rücken. Ich möchte aber dazu ermuntern, Kinder aktiv an der Küchenarbeit teilhaben zu lassen, dass sie eben nicht nur so tun als ob, sondern auch die Möglichkeit haben, wirklich tätig zu werden. 

Und wie haltet ihr es bei euch zu Hause? 

Weitere Ideen und Inspiration zur vorbereiteten Umgebung in der Küche, findet ihr bei uns Montessori Entdeckern







Eure Sandra 







Montessorientdecker
Ich bin ein #MontessoriEntdecker



        
                   


Kommentare

  1. Zum Schrecken meiner Mutter sind die Kinder immer mit dabei und dürfen mitmachen - auch mit einem Gemüsemesser o.ä.. Beide sind sehr gerne mit mir in der Küche und da ich, seit ich Mutter bin, meine Koch- und Backansprüche ohnehin sehr runtergeschraubt habe, macht es auch mir Spaß, mit ihnen zu werkeln.

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    1. Ich hoffe, dass ich dahingehend auch noch etwas lockerer werden kann! Schön, dass du es deinen Kindern ermöglichst ❤️

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